Samstag, 11. Februar 2012
23. Beach Club, Mitbewohner III
Der letzte Tag am Strand. Da kann man doch etwas Nettes über die Belegschaft des Beach Club schreiben. Mike, den Eigentümer, haben wir nicht einziges Mal hier gesehen. Die Vietnames(inn)en vom Zimmerservice, aus der Küche und vom allgemeinen Service/Bar sind ausnahmslos hilfsbereit und freundlich. Das ist keine so aufgesetzte trinkgeldmotivierte Freundlicheit wie in den USA, sondern sie haben Spaß und gackern auch mal rum, obwohl einige in den 18 Tagen die wir hier waren gerade zwei Tage frei hatten – und sie arbeiten nahezu durchgehend von 07-22 Uhr, zum Teil bis 23 Uhr. Sie lächeln wissend aber nicht spöttisch, wenn man versucht drei Worte vietnamesisch auszusprechen, mit ausladenden Gesten etwas erklärt und wegen anstrengender Mitgäste die Augenbraue hochschiebt. Irgendwie erscheinen sie trotz aller möglichen Sorgen grundpositiv. Nicht dass ich es in Betracht zöge, aber ich begreife ein bisschen, weshalb manch einer mit einer Asiatin im Arm nach Hause fliegt.

Die Englischkenntnisse im relevanten Administrations- und Barservice schwanken zwischen besser-einfach-nur-Lächeln bis OK. Es hat zwei Tage gebraucht bis wir „dschoijumia“ als „enjoy your meal“ herausgehört haben. Kollege K. fragt morgens gerne: „How are you today?“ Wir antworten: „Fine, thank you, K. How did you sleep? Is everything fine? When will the barbecue start today?“ K lächelt „däng ju“ sagend und dreht sich etwas hilflos um. Ansonsten ist er ein netter Kerl und prima Breakdancer (auch im Wasser), wie wir ein paar mal bestaunen durften. War wohl das entscheidende Einstellungskriterium.

Das ist alles nicht wichtig, denn ich bin froh, dass man überhaupt Englisch spricht. Mein Vietnamesisch = 0.

Die drei Mädels von der Massagefraktion arbeiten freiberuflich am Strand und haben sich bereits in den ersten zwei Stunden persönlich vorgestellt. Seitdem kommen sie immer morgens und nachmittags vorbei, um das Durchknetbedürfnis der Touristen anzuregen. Etwas lästig. Um die „Asiatin im Arm“ von oben aufzugreifen: Das geht ganz einfach, denn das Massagemädel weiß Bescheid.
1. Frage: „Where from?“
2. Frage: „You married?“
3. Frage: „Want marry vietnamese girl?“
Verstehe ….

Hätten sie beim ersten mal nicht so luschig massiert, sondern so kräftig wie heute, hätte ich mir nicht zwei sondern mindestens zehn Massagen geleistet. Bei vier Euro für 40 Minuten Massage kann selbst ich mir den Luxus leisten. Man könnte es bei den Mitbewerberinnen nebenan noch günstiger haben. Dazu müsste ich aber von der Liege aufstehen und 500 Meter weit laufen.

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22. La Veranda
Das verschobene Geburtstagsessen von Dörte wird heute im „La Veranda“ nachgeholt. Hier sind unsere Flipflops und mein Tintin-T-Shirt nicht so passend. Wir sind „slightly underdressed“.

La Veranda

Das „La Veranda“, umgeben von kleinen Resorts, ärmlichen Wellblechhütten und Baustellen, ist eine Oase und wirkt wie ein Nobelhotel zur Kolonialzeit. Es ist picobello sauber, das Personal geschult und englisch sprechend und die Preise auf gutem westlichen Niveau und nur in Dollar ausgewiesen. Das Menü ist ziemlich lecker, anders als die Preise vielleicht etwas wenig gesalzen, aber zumindest beim Essen kann man ja nachhelfen.

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21. Chez Carole & German Bakery
Man sollte sich nicht immer auf die Reiseführer verlassen. Wir haben ein gut klingendes Restaurant ausgesucht und fahren mit dem Taxi hin. Kurz vor 18 Uhr sind wir da und fast die einzigen in diesem schick aussehenden Esstempel. Die Preise sind auch schick. Zur Begrüßung macht man für uns gleich 80er-Jahre- Musik an, in einer Lautstärke, als wolle man eine Disco beschallen – wahrscheinlich gut gemeint.

Leider vermisst Philip seinen bestellten zweiten Hauptgang und fragt nach 20 Minuten Wartezeit, wann die gegrillten Tintenfische denn kommen. Die Bedienung geht stumm nach hinten. Nach 10 weiteren Minuten wird ein Grill nach vorne geschleppt, ohne dass wir wissen was passiert und ob sie jetzt anfangen wollen für uns zu grillen. Nochmal 20 Minuten wollen wir nicht warten und bitten um die Rechnung. Höflich werden wir gefragt, ob wir den Tintenfisch jetzt abbestellen wollen?

In der „German Bakery“ nebenan trinken wir Cocktails und Philip bestellt ein Toast Hawaii. Nach 15 Minuten kommt die Bedienung und sagt, es gäbe kein Toastbroat mehr, aber sie hätten Baguette.

Heute hatten wir ausnahmsweise kein Trinkgeld zu vergeben.

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20. Beach Club, Mitbewohner II
Aus Langeweile ...
werfe ich jetzt mal einen kleinen Blick auf unsere Mitgäste im kleinen Resort. Keiner ist so lange hier wie wir, die Gäste kommen und gehen und hinterlassen nicht nur im Sand Eindrücke. Wir haben – auch wenn es gleich nicht so klingt – überwiegend Spaß.

Aus den USA I:
Die in China lebende amerikanische Familie ist so blass, dass man wirklich Angst um sie haben muss. Der kleine Sohn läuft nur in Ganzkörpertaucheranzug rum. Der Mann sieht zwanzig Jahre Jünger aus als seine Frau. Oder ist es doch seine Mutter?

Aus Baden-Württemberg:
Unsere „Schwäbin“, Enddreissigerin, hat fünf Wochen lang ganz Vietnam mit dem Rucksack bereist und wir fragen uns: warum? Nichts gefiel ihr. Zu teuer, zu dreckig, zu unpersönlich. Selbst unser Resort zum Reiseabschluss erscheint ihr nicht wirklich gut genug. So kann man sich den Urlaub selbst vergällen. Am Ende fliegt sie mit zusätzlichen 9 kg Mangos und 3 kg Kaffee zurück. Zumindest das muss ihr dann doch gefallen haben.

Aus Frankreich I:
Prinzessin und ihr Hofstaat. Frech belegen sie vier Liegen, obwohl sie gar nicht im Resort wohnen. Die junge Anfang 20 wirkende eigentlich gut aussehende Französin ist durch ihre selbst mit Sonnenbrille nicht zu verdeckende Schlechtlaunigkeit dermaßen unattraktiv, dass man wegschauen muss. Ihr Freund kommt zwei Stunden später zum Strand und dessen zwei Kumpels noch eine Stunde später. Liegt das an der Miss-Mutigkeit oder beruht die darauf, dass sich ihr Freund mit den Kumpels besser amüsiert?

Aus den USA II:
Zwei blasse Amerikanerinnen Mitte 20: klein und blond + mittel und rothaarig. Die kleine Blonde fällt auf, weil sie unangenehm redet, gerne Sonderwünsche hat und aus ihrem Essen die Hälfte heraussortiert.

Aus England:
Vor der Insel kommen zwei Endvierziger-Pärchen, die viel unternehmen, Freude haben, ruhig sind, niemandem ein Gespräch aufdrängen, aber immer höflich antworten und freundlich grüßen. Die sind echt nett.

Aus Frankreich II:
Ganz und gar nicht nett ist die blondierte Dame – wir nennen sie Claudia – mit Sonnenbrille im Alter zwischen 60 und 80, die wie 90 aussieht, einen Bikini für 30-jährige trägt, sich permanent beschwert und dann nur mit Mike sprechen will. Das Personal bleibt geduldig. Ihr Begleiter (Mann? Sohn? Lover?) hat einen Modus gefunden, damit umzugehen. Er ignoriert sie so gut er kann.

Aus Norwegen:
Das kurzgeschorene Kraftpaket und seine schwangere Frau. Mittdreissiger. Hilfsbereit, freundlich, ruhig. Sie sind auch miteinander ruhig und starren gerne schweigend auf ihre jeweiligen Smartphones. Unsere erste Hoffnung, dass sie gemeinsam ein elektronisches Spiel spielen, erweist sich als falsch. Das Baby kommt bald und offensichtlich ist bereits alles gesagt.

Aus Bayern:
Das grau- und kurzhaarige Pärchen um die 60 hat sich auch schon das Meiste erzählt. ER nutzt die Zeit, um die neuesten Nachrichten auf dem Smartphone abzurufen und schaut mit IHR laut ZDF-Nachrichten im Restaurant. "Das stört sie doch nicht beim Essen?". SIE ist aber noch lange nicht fertig mit ihrem Mitteilungsbedürfnis und versucht dem Rest des Resorts Konversation, nein, eher Monologe aufzuzwängen. Ich schaffe es meist mich wegzuducken, aber Dörte ist zu gutmütig.

Eine halbe Stunde Bayern-Monolog später kommt Dörte endlich zu ihrer Strandliege. Oooops, die hat SIE aber gerade belegt. Am nächsten Tag auch, so dass wir ernsthaft über eine „deutsche Handtuchreservierung“ nachdenken. Da bietet SIE uns IHRE Liege gerne an, weil wir ja bald abreisen. Aber nein, muss doch nicht sein. Aber ja. Aber nein. Aber ja. Aber ach. Aber gerne. Aber nicht nötig. Aber doch. Oder wenigstens die Hängematte? Na gut. Aber da liegt ER gerade drin.

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19. Beach Club
Morgens sehen wir ein Fischerboot vor unseren Hütten und die Fischer holen die Netze ein. Die Küchenchefin begutachtet den Fang und kauft gleich ein paar frische Exemplare.

Fischer

Abends fällt ein Gecko von der Decke auf den Tisch der englischen Gäste und verschwindet. Eine Engländerin kriegt einen gewaltigen Schreck. Aber wo sind die Geckos, wenn man sie mal BRAUCHT?

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18. Beach Club, Mitbewohner I
Die Zimmer liegen zu ebener Erde und als degeneriertes Stadtkind freunde ich mich nun mal nicht mit jedem an, der mir in freier Wildbahn begegnet. Arne sagte mal zu mir: „Wenn Männer Jäger und Sammler sind, bist Du definitiv kein Jäger.“ Jetzt bin ich es. Zwangsläufig.

Ich habe zwei Insekten erlegt, nennen wir sie mal „Borkenkäfer“. Einer krabbelte in mein Bett und zwickte mich in die Kniekehle. Mag ich gar nicht. Wenn er Glück hat, wird vielleicht als Schuhsohle wieder geboren. Die Form hat er schon mal. Abends folgten zwei weitere Kollegen dem Lockruf meiner Flipflops. Seitdem habe ich keine „Borkenkäfer“ mehr gesichtet. Mein ausgesprochen mäßiger Schlaf ist jedenfalls nicht besser geworden. Wo sind die Geckos, wenn man sie mal braucht?

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17. Beach Club, Krankenstation
Ein Arzt, ursprünglich aus Berlin, verschreibt Antibiotika gegen den nervösen Verdauungstrakt. Darf man Yoghurt essen? Ja. Milch trinken? Ja. Warum praktiziert er nicht in Berlin, sondern in Vietnam? Weil man Milch wegen des darin enthaltenen Kalziums nicht mit Antibiotika einnehmen darf.

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